Engelhart, Josef: Brief an Adalbert Franz Seligmann. Wien, 8.7.1929
Wien 8. Juli 1929
Verehrter Herr College.
Ich habe eben den Aufsatz Molls über die österreichische
Galerie gelesen.
In dem Passus, wo er über die seinerzeit bestandene Galerieankaufs=
commission spricht, hat sich aber ein Gedächtnisfehler eingeschlichen,
den ich Ihnen gegenüber, da es Sie interessiren dürfte, berichtigen
möchte.
Moll gibt nämlich als Grund seines Austrittes aus der Commission
seine aufrechte Haltung bei der Auswahl der zu erwerbenden
Kunstwerke an - das ist nicht ganz richtig.
Ich war als Mitglied der Commission bei der Zusammenkunft,
die seinen Austritt zur Folge hatte, anwesend und kann
als Augenzeuge versichern, daß sich der Vorgang folgender=
maßen abgespielt hat:
Wir waren unter Anderem auch in der Kunsthandlung Miethke,
welcher Moll als Angestellter angehörte.
Angeli verwahrte sich dagegen, daß ein Angestellter einer
Kunsthandlung überhaupt Mitglied dieser Commission
sei, welche Ansicht die Mehrzal der Mitglieder teilte.
Angeli verwahrte sich ferner dagegen, daß die Commission
Ankäufe in einer Kunsthandlung mache, bei denen ein
materiell Beteiligter seinen Einfluß geltend machen
könne.
Er forderte Moll direct auf, aus der Commission aus=
zutreten (und zwar vor uns allen), was dieser
auch tat.
Wenn Moll in seinem Aufsatze sagt, daß ein Bild
Schuchs, das annähernd die Güte des von Miethke angebotenen