Persenbeug 3. April 1934
Verehrter Freund.
Da die Angelegenheit der Odilonbüste bis zu einem gewissen Abschluß
gelangt ist - so möchte dir hiermit die Sachlage darstellen, damit
baldigst Entschlüsse gefasst werden können.
Der Umstand, daß ich mich aus meiner Jugend erinnerte, in der Werkstatt
Tilgners eine ausgezeichnete Büste der Künstlerin gesehen zu haben,
ließ mich nicht ruhen, diese vor beiläufig 40 Jahren entstandene Arbeit
aufzustöbern - Dieses Unternehmen gestaltete sich schwieriger als ich
dachte, denn der Mitarbeiter Tilgners, der heute noch lebt, wußte nicht
viel zu sagen - die noch lebenden Verwandten seiner Frau ebenso
wenig. Ich hatte eine gewisse Scheu mich an Frau Odilon selbst zu wenden,
da ich ihren Zustand nicht kannte und vielleicht gewisse nicht sehr
angenehme Weiterungen zu erwarten waren. Nun habe ich auf
Umwegen von ihr die Auskunft erlangt, daß ihr seinerzeitiger
Curator Dr. Koritschan die Marmorbüste von ihr als Entgelt für
seine Bemühungen erhalten hat. Ich suchte diesen Herrn auf und
sah dort wirklich das außerordentlich schöne Werk, zu dessen Auffindung
mir übrigens Herr Homma verhalf. Die Gattin des Advokaten
hat nun auf mein Anraten das Werk schätzen lassen, allerdings von
einer mir unbekannten bildhauerischen Größe und diese Schätzung bewertete
angeblich die Arbeit mit 15000 S. - daß mich da nicht sofort
der =Schleimschlag= getroffen hat, ist nur meiner ziemlich kräftigen
Constitution zuzuschreiben. Auf meine Frage ob man das Original
für unsere Zwecke copiren dürfe antwortete man mir mit einem
klaren: nein - daraufhin riet ich der Dame nur recht gut achtzu-
geben, damit dem wertvollen Werk nichts geschehe - und sie unter
dem angegebenen Preis ja nicht herzugeben. Worauf sie meinte
Verehrter Freund.
Da die Angelegenheit der Odilonbüste bis zu einem gewissen Abschluß
gelangt ist - so möchte dir hiermit die Sachlage darstellen, damit
baldigst Entschlüsse gefasst werden können.
Der Umstand, daß ich mich aus meiner Jugend erinnerte, in der Werkstatt
Tilgners eine ausgezeichnete Büste der Künstlerin gesehen zu haben,
ließ mich nicht ruhen, diese vor beiläufig 40 Jahren entstandene Arbeit
aufzustöbern - Dieses Unternehmen gestaltete sich schwieriger als ich
dachte, denn der Mitarbeiter Tilgners, der heute noch lebt, wußte nicht
viel zu sagen - die noch lebenden Verwandten seiner Frau ebenso
wenig. Ich hatte eine gewisse Scheu mich an Frau Odilon selbst zu wenden,
da ich ihren Zustand nicht kannte und vielleicht gewisse nicht sehr
angenehme Weiterungen zu erwarten waren. Nun habe ich auf
Umwegen von ihr die Auskunft erlangt, daß ihr seinerzeitiger
Curator Dr. Koritschan die Marmorbüste von ihr als Entgelt für
seine Bemühungen erhalten hat. Ich suchte diesen Herrn auf und
sah dort wirklich das außerordentlich schöne Werk, zu dessen Auffindung
mir übrigens Herr Homma verhalf. Die Gattin des Advokaten
hat nun auf mein Anraten das Werk schätzen lassen, allerdings von
einer mir unbekannten bildhauerischen Größe und diese Schätzung bewertete
angeblich die Arbeit mit 15000 S. - daß mich da nicht sofort
der =Schleimschlag= getroffen hat, ist nur meiner ziemlich kräftigen
Constitution zuzuschreiben. Auf meine Frage ob man das Original
für unsere Zwecke copiren dürfe antwortete man mir mit einem
klaren: nein - daraufhin riet ich der Dame nur recht gut achtzu-
geben, damit dem wertvollen Werk nichts geschehe - und sie unter
dem angegebenen Preis ja nicht herzugeben. Worauf sie meinte