Engelhart, Josef: Brief an Gustav Huber. Wien, 23.4.1934
Wien 23.April 1934
Lieber Freund
Du weißt, daß wir wohl vor wenigen Tagen uns den Kopf zerbrachen,
wie im Hause des Deutschen Volkstheaters Vorsorge zu treffen sei
wegen der Errichtung einer Ehrengalerie für jene Persönlichkeiten,
die dem Institut seine Bedeutung gaben.
Nun scheint dieser rechte und würdige Gedanke nicht Gemeingut
aller Elemente zu sein in deren Hand die Führung des Theaters
liegt. Als ich nämlich am vorigen Samstag anlässlich der Première
der neuen Operette (schon wieder Operette) verschiedene Räume durchging,
sah ich Plakate (einen Kellner darstellend) an Punkten, welche
wir für die Aufstellung von Kunstwerken ins Auge gefasst haben.
Ich glaube nun nicht, daß diese Art der Reklame im Sinne des
Vereinsausschusses liegt, daß diese Art der Reklame viel mehr für ein
Variététheater oder für einen Circus angemessen ist als für
ein Haus, das hauptsächlich der Pflege Deutscher, wirklicher
Kunst gewidmet sein soll.
Ich wäre dir und (ich glaube die Allgemeinheit unserer Collegen wären es auch)
sehr dankbar, wenn du die Entfernung dieser Plakate
veranlassen wolltest.
Verzeih, daß ich dir neben anderen vielleicht größeren Sorgen
um das Wohl des Hauses noch damit komme - aber der schreiende
Gegensatz zwischen unserer letzten Beratung und diesen Tatsachen
haben mich dazu veranlaßt.
Mit herzlichen Grüßen
Engelhart