Eulenberg, Herbert: Brief an Oskar Maurus Fontana. Düsseldorf, 12.11.1934
Düsseldorf=Kaiserswerth.
Den 12. November 1934.
Lieber Mohr, Ihr schöner Brief mit der freundlichen
Einlage, der heute Morgen bei uns ankam, soll nicht lange
ohne Antwort bleiben. Wir freuen uns jedesmal, wenn
wir etwas von Ihnen hören und gedenken Ihrer stets in
guter fester Freundschaft. Ach ja, lieber Mohr! Wie gerne
hätte ich wieder einmal einen Herbst in Wien verbracht
und in Grinzing beim Heurigen gesessen! Aber woher
sollte ich das Geld zur Reise nehmen? Es langte in die=
sem Sommer nur zu einer Reise nach Stuttgart, wo
ich dank den längeren Bemühungen eines dortigen Vereh=
rers endlich einmal wieder im Rundfunk sprechen konn=
te. Von dem Honorar konnten wir uns dann noch einen
kurzen Abstecher in die Schweiz gestatten. Das war alles.
Meine Versuche wieder einmal in das geliebte Wien
zu gelangen, sind bisher gescheitert. Dr. Benedikt, an
den ich mich zunächst gewandt hatte, teilte mir mit,
daß ihn die „Neue Freie Presse” ausgebootet und er
dort nichts mehr zu sagen habe. Und Hatvany, an den