Eulenberg, Herbert: Brief an Oskar Maurus Fontana. Kaiserswerth, 20.11.1933
diesem Herbst mich an ein Stück zu Ehren unsers größten
teutschen Bildhauers Tilmann Riemenschneider gesetzt. Diesem
Mann ist das Schicksal widerfahren, daß man ihn nach dem
Bauernkrieg, weil er ein falsch Gerücht, „ein Greuelmär=
chen”, wie man heute sagt, verbreitet habe, gepönt und
gefoltert und die Hände, ausgerechnet seine Hände, abge=
würgt hat. Selbiges Stück habe ich nun meinem alten
Freund Professor Glücksmann eingereicht. Ihm unter
mehreren andern in Deutschland, denen ich es auch ge=
schickt habe. Nun schreibt Glücksmann mir, nachdem
ich ihn leise gemahnt hatte, den einliegenden Brief,
den ich Ihnen, lieber Mohr, ganz vertraulich zur Ein=
sicht übersende. Kennen sie Rolf Jahn? Und kön=
nen Sie, ohne den sehr sensiblen alten Glücksmann
zu verletzen, etwas in dieser Sache tun? Mir läge
sehr viel daran, daß dies Werk möglichst bald zur Auf=
führung käme, weil es so ungemein zeitgemäß ist
und darum grade in dieser Spielzeit besonders stark ein=
schlagen und wirken würde.
Nun bitte ich Sie gar um einen Gefallen. Und wollte Ih=
nen ursprünglich nur schreiben, daß wir Sie wiederlie=
[links:] ben, mein gutes Weib und ich, und daß wir uns immer auf den Tag freuen,
daß wir Sie und die Mohrin aufs neue sehen. Denn wir hängen treu an Ih=
nen. Das beschwört Ihr Ihnen stets zugeneigter Herbert Eulenberg.