Eulenberg, Herbert: Brief an Oskar Maurus Fontana. Düsseldorf, 15.3.1930
Düsseldorf-Kaiserswerth,den 15.März 193o
Mein lieber Mohr,
Haben Sie vielen Recht herzlichen Dank für Ihre
Karte und die Mühewaltungen, die Sie für mich gehabt haben. Meine
Reise musste leider aufgeschoben werden. Nüchtern schrieb mir, dass
er keinen Abend mehr für mich einschieben könnte, die Wiener Urania
dagegen funktionierte gut, was nicht zuletzt Ihrer Vermittlung zu
verdanken ist. Das sind aber alles nicht die Gründe, die mich ab-
halten, nach Wien zu kömmen. Ich will in die Sonne, und hoffe, dass
sie mir in Südfrankreich scheint. Wir, d.h. ich und meine Gattin
haben eine Fusswanderung an der südfranzösischen Küste vor, ich
bin so abgearbeitet, dass ich einmal ein paar Tage heraus muss.
Lange wird es sowieso leider nicht in diesen schlechten Zeitläuften
werden, ich habe mich für vierzehn Tage gerüstet. Mitte der kommen-
den Woche soll die Reise losgehen. Sie wird mir leider neben der
Erholung auch wieder viele Arbeit bringen. Aber man ist doch wenig-
stens einmal etwas herausgekommen.
Also seien Sie mir nicht böse, dass ich diesmal
nicht erscheine, ich hoffe umsomehr, Sie hier zu sehen und bin
mit besten Grüssen für Sie und die Mohrin
Ihr
Herbert Eulenberg.
N.B. Ich könnte zwischen dem 10. April u. 1.
Mai in Wien sein und sprechen.