Eulenberg, Herbert: Brief an Oskar Maurus Fontana. Kaiserswerth, 18.12.1931
Gott weiss wie viele Zeitungsaufsätze verfasst. Und mit alle
diesem weniger verdient, als in den Jahren vorher, in denen ich
weit weniger gearbeitet habe. Kommen Sie wohl gelegentlich noch
einmal mit einem vermögenden Verleger zusammen? Oder gibt es so
etwas überhaupt nicht mehr? Ich hätte unter anderem auch einen
neuen Band Schattenbilder zu vergeben. Aber keine Hand streckt
sich nach einem aus. Ach liebes Möhrchen, es ist zum verzweifeln.
Und wenn einen nicht hin und wieder ein Gläschen Wein etwas auf-
heiterte, möchte man am liebsten seinen Federhalter zerbrechen
und zu den Beduinen in die Wüste oder zu den Eskimo an den Nord-
pol fliehen. Verleben Sie mit der Mohrin ein paar schöne Fest-
tage im geliebten Wien, das ewig dem Meister Gerhart zujubelt
und mich niemals einladet.
Mit den allerherzlichsten Grüssen auch von meiner Frau,
für Sie und die edle Mohrin an Ihrer Seite, sind und bleiben wir
Ihnen getreu, mein gutes Weib, und ich, Ihr Sie liebender
Herbert Eulenberg.