Berg, Alban: Brief an Anton von Webern. Wien, 19.5.1915
Sonst nichts Neues - als Erwartung, Erwartung
u. wieder "Erwartung" (dieses Wortspiel war nicht Absicht
ich entdeckte erst als ich das Wort Erwartung zum 3ten
mal niederschrieb, daß es ja auch der Name des
Monodrams ist an dem ich arbeite.) Mit Erwartung
meine ich natürlich die auf die kommenden Ereig-
nisse: es sind ja eigentlich nichts als Wünsche!
Wünsche, daß Italien nicht losgeht, daß
Schonberg bei der morgigen Musterung nicht
behalten wird (sobald ich etwas erfahre:[Steuermann der bei Schonberg ist wird
telegraphieren], schreib ich's Dir expreß)
Wünsche daß es endlich endlich einmal regnet,
damit die diesjährige Ernte nicht schlecht wird
oder was alles übertrifft: Wünsche - daß endlich, endlich endlich
Friede ist.
Ich schreib Dir bald wieder, lieber Freund,
meinen letzten Brief (mit Schilderung meines neuen
Arbeitszimmers) hast Du wohl erhalten.
Sei vielmals gegrüßt v. Deinem Berg
19./5. 15
ALBAN BERG WIEN XIII/I
TRAUTTMANSDORFFGASSE 27
TELEPHON: AUTOMAT 84831.