ALBAN BERG p. A. NAHOWSKI
TRAHÜTTEN IN STEIERMARK
POST: DEUTSCH-LANDSBERG
A./D. GRAZ-KÖFLACHER-BAHN
14. 8. 20
Infolge Briefträgerstreik erst am 18. von
hier, daher am 19.8tn von D. Ldsbg weg!!
Mein lieber Freund, ich muß meine Briefe immer mit Entschuldigungen anfangen. Dies-
mal wieder, warum ich Deinen lieben, lieben Brief so lange unbeantwortet
ließ. Es kam in diesen letzten 14 Tagen wieder so viel zusammen an
Arbeit, daß ich zu einem langen Schreiben tatsächlich nicht kommen konnte.
Von der zeitraubendsten Arbeit werde ich Dir später schreiben. Daneben gab's
aber viel Korrespondenz mit den Anbruch leuten, das Komponieren wollte ich
nicht ganz einstellen, ebenso auch die körperliche Bewegung nach der Jause:
Holz sägen u. hacken (die Leute verlangen hier 1-200 K täglich), spazieren gehn.....
Nun zu Deinem Brief: Deine Begeisterung für Klimt beglückt
mich ungemein. Das ist seit den ersten Tagen der Secession eine stille Liebe
von mir. Er steht mir nahe wie Zemlinsky. Während mich hier aber
mein musikal. Wissen befähigt, mich dafür einzusetzen, hielt mich
mein Unkenntnis in Dingen der Malerei u. namentlich auch Kraus' Ver=
urteilen Klimts davor zurück meine Begeisterung für diesen allzu laut wer-
den zu lassen. Aber wo ich konnte verschaffte ich mir Reproduktionen,
kaufte mir noch in letzter Zeit Sondernummern u. hängte in meine Wohnung
- wenn Du Dich erinnerst - 4 solche Reproduktionen von den aller, aller zar=
testen Kohlen od. Kreide Zeichnungen (Pastell?), Frauen Köpfe darstellend.
Deine Worte über Klimt haben mich zur Überzeugung gebracht, daß ich
mich nicht geirrt habe. - Und gar der Mensch! Wie liebte ich dieses
Gesicht! Ich habe es so leibhaftig vor mir, wie wenig Köpfe...... -
Und diese Kubisten etc. -- Ich denke mir oft: Kann ich da nicht mehr
mit?! Aber dann wieder: Wie entlarvt Kraus dieses künstlerische Gesindel
TRAHÜTTEN IN STEIERMARK
POST: DEUTSCH-LANDSBERG
A./D. GRAZ-KÖFLACHER-BAHN
14. 8. 20
Infolge Briefträgerstreik erst am 18. von
hier, daher am 19.8tn von D. Ldsbg weg!!
Mein lieber Freund, ich muß meine Briefe immer mit Entschuldigungen anfangen. Dies-
mal wieder, warum ich Deinen lieben, lieben Brief so lange unbeantwortet
ließ. Es kam in diesen letzten 14 Tagen wieder so viel zusammen an
Arbeit, daß ich zu einem langen Schreiben tatsächlich nicht kommen konnte.
Von der zeitraubendsten Arbeit werde ich Dir später schreiben. Daneben gab's
aber viel Korrespondenz mit den Anbruch leuten, das Komponieren wollte ich
nicht ganz einstellen, ebenso auch die körperliche Bewegung nach der Jause:
Holz sägen u. hacken (die Leute verlangen hier 1-200 K täglich), spazieren gehn.....
Nun zu Deinem Brief: Deine Begeisterung für Klimt beglückt
mich ungemein. Das ist seit den ersten Tagen der Secession eine stille Liebe
von mir. Er steht mir nahe wie Zemlinsky. Während mich hier aber
mein musikal. Wissen befähigt, mich dafür einzusetzen, hielt mich
mein Unkenntnis in Dingen der Malerei u. namentlich auch Kraus' Ver=
urteilen Klimts davor zurück meine Begeisterung für diesen allzu laut wer-
den zu lassen. Aber wo ich konnte verschaffte ich mir Reproduktionen,
kaufte mir noch in letzter Zeit Sondernummern u. hängte in meine Wohnung
- wenn Du Dich erinnerst - 4 solche Reproduktionen von den aller, aller zar=
testen Kohlen od. Kreide Zeichnungen (Pastell?), Frauen Köpfe darstellend.
Deine Worte über Klimt haben mich zur Überzeugung gebracht, daß ich
mich nicht geirrt habe. - Und gar der Mensch! Wie liebte ich dieses
Gesicht! Ich habe es so leibhaftig vor mir, wie wenig Köpfe...... -
Und diese Kubisten etc. -- Ich denke mir oft: Kann ich da nicht mehr
mit?! Aber dann wieder: Wie entlarvt Kraus dieses künstlerische Gesindel