Bettelheim, Helene: Brief an Maia von Kralik. Wien, 5.2.1934
Wien 5. Februar 1934.
Meine liebe, arme Maia!
Nun mußt auch Du den gleichen Schmerz erfahren, wie ich ihn, vor
bald vier Jahren erlitten habe, u. ich weiß, das Leid ist so tief, so
unheilbar, daß es keinen Trost dafür giebt. - Das Einzige was uns
aufrecht zu halten vermag, ist die Erinnerung an all das viele Glück, das
man genossen u. spenden durfte in allem Schicksalswandel jahrzehnte-
langer, unvergleichlicher Herzens- und Geistes-Verbundenheit, wie es nur
wenigen Menschen hienieden Teil wird. --
Welche enge Jugendfreundschaft Deinen Mann mit dem meinen ver-
knüpfte, an der ich später ebenfalls einigen Theil nehmen konnte, -
weißt Du ja, - u. so ist auch mein Leben, mit dem traurigen Gedanken,
daß Richard Kralik nicht mehr ist - um einen schönen, unersetzlichen
seelischen Zusammenhang ärmer geworden.
Schmerzlich u. innig mit Dir fühlend, spreche ich auch Deinen
lieben Söhnen meine wärmste Theilnahme aus.
In treulicher Freundschaft, Deine alte
Helene Bettelheim-Gabillon