Bindtner, Josef: Brief an Gustav Gugitz. Wien, 14.8.1917
wetterte – saß sie zuhause u. schrieb mir
einen – Brief, voll des Jammers über unser
Misgeschick. Der Teufel hat mich nicht geholt,
sonst würden Sie diese Zeilen aus der Hölle
datiert finden – aber es ist fast dasselbe,
seine Hörner blicken mir schon wie weiland
E.T.A. Hofmannen über die Schulter ins
Geschreibe. Verzetteln Sie meine Nachrichten
ja getreulich in Ihre Denkwürdigkeiten,
damit sie der Nachwelt zu Nutz u. heilsamer
Abkehr vom Sündenleben aufbehalten bleiben.
Ich sehe mich auch noch einmal wie den
Zacharias in der Stefanskirche predigen,
Sie aber als den getreuen Apologeten
unten sitzen. Aber meiden Sie nicht länger
den Strand der hungernden Phäaken, es wird
immer noch ein Restchen duftiger Abenteuer
in der Pfanne sein – u. endlich muß es
doch gelingen, ein richtiges Märchen aus
der Tausendundeinen in die Wege zu bringen.
Am Donnerstag war "Sautanz" bei Mälzl –
ich war nicht dabei – die Glocken kenne ich!
Herzlichsten Gruß Ihr stets ergebenster
Leidensbruder Bindtner