30. 12. 1918.
Lieber Freund! Herzlichsten Dank für Ihren langen Brief
u. Wünsche, die ich Ihnen aufrichtig zurückgebe. Freilich wird nicht
viel dabei herauskommen, denn glaubt denn unsereiner noch
daran, daß Wünsche erfüllt werden können? Es geht ja
doch immer in peius weiter, auch das jetzige Regime
wird sich nicht halten können. Die einzig vernünftige deutsch-
österr. Politik sehe ich in Czernin verwirklicht u. wäre Ihnen
dankbar, wenn Sie mir auf einer Karte sein Parteiblatt nen=
nen könnten, ich möchte es abonnieren. - Nur kein sozialist.
Programm, dann wären wir geliefert!
Am 4./12. langte ich nach 13 tägigen Fußmärschen durch
Rumänien u. 10 tägiger Eisenbahnfahrt (III. Kl., demolierter
Waggon) durch Ungarn, summa 23 Tagen hier matt wie
eine Fliege u. ausgeplündert an. Schreibmaschine wurde
in Budap. "beschlagnahmt", Koffer teils Brasso, teils Wien.
Alle meine Mil. Papiere, meine Kriegsandenken u.
viel anderes Unersetzliches ist verloren. - Mein sonst
sehr verläßlicher Diener Albin Hofmann, Zivil: Bäckerge=
selle, ging mir am Ostbahnhof noch mit 2 Kofferln durch.
Kann man den in Wien nicht ausfindig machen? Er
wohnte vor Einrückung X. Bez., Absberggasse 11 und
soll jetzt wohl nicht dort, aber doch im X. Bez. wohnen. Er
stammt aus Brünn.
Mit Firma Müller bin ich wieder im Prozeß, da
ich seit 5 Jahren keine Abrechnung bekommen kann. Schrift=
stellerei habe ich notgedrungen aufgegeben, da vorderhand
nichts zu machen. Betreibe einstweilen Englisch u. unter=
richte die Söhne in Latein u. anderen Gegenständen.
Ihr neues Buch würde mich gewiß sehr interessieren. Herzl. Grüße auch von meiner Frau
Bl
Lieber Freund! Herzlichsten Dank für Ihren langen Brief
u. Wünsche, die ich Ihnen aufrichtig zurückgebe. Freilich wird nicht
viel dabei herauskommen, denn glaubt denn unsereiner noch
daran, daß Wünsche erfüllt werden können? Es geht ja
doch immer in peius weiter, auch das jetzige Regime
wird sich nicht halten können. Die einzig vernünftige deutsch-
österr. Politik sehe ich in Czernin verwirklicht u. wäre Ihnen
dankbar, wenn Sie mir auf einer Karte sein Parteiblatt nen=
nen könnten, ich möchte es abonnieren. - Nur kein sozialist.
Programm, dann wären wir geliefert!
Am 4./12. langte ich nach 13 tägigen Fußmärschen durch
Rumänien u. 10 tägiger Eisenbahnfahrt (III. Kl., demolierter
Waggon) durch Ungarn, summa 23 Tagen hier matt wie
eine Fliege u. ausgeplündert an. Schreibmaschine wurde
in Budap. "beschlagnahmt", Koffer teils Brasso, teils Wien.
Alle meine Mil. Papiere, meine Kriegsandenken u.
viel anderes Unersetzliches ist verloren. - Mein sonst
sehr verläßlicher Diener Albin Hofmann, Zivil: Bäckerge=
selle, ging mir am Ostbahnhof noch mit 2 Kofferln durch.
Kann man den in Wien nicht ausfindig machen? Er
wohnte vor Einrückung X. Bez., Absberggasse 11 und
soll jetzt wohl nicht dort, aber doch im X. Bez. wohnen. Er
stammt aus Brünn.
Mit Firma Müller bin ich wieder im Prozeß, da
ich seit 5 Jahren keine Abrechnung bekommen kann. Schrift=
stellerei habe ich notgedrungen aufgegeben, da vorderhand
nichts zu machen. Betreibe einstweilen Englisch u. unter=
richte die Söhne in Latein u. anderen Gegenständen.
Ihr neues Buch würde mich gewiß sehr interessieren. Herzl. Grüße auch von meiner Frau
Bl