Brecher, Gustav: Brief an Ernst Krenek. o.O., 18.5.1930
Ihnen gefunden: Wie ist Jemand zu beneiden
dem der liebe Gott neben so reicher Phan-
tasie solch scharfen Verstand verliehen hat
nebst der Begabung seine Erkenntnisse
mühelos und unmisverständlich zu for-
mulieren!
Vielleicht sehen wir uns im Sommer:
Bestimmt in dem Fall, daß mich unser
Berliner Hausarzt, zu dem ich nun für
2 Tage zur Untersuchung fahre, nach
Gastein schicken sollte, und diese Aussicht
ist mein Trost für solche an sich gräu-
liche Eventualität; - Gastein dunkles nor-
disches Thal, eng, langweilige Waldhänge;
bessere Berge unsichtbar & weit ab. Das
Beste daran der Loren-Betrieb, der
die Autos prompt durch den Tauerntunnel
nach Kärnten bringt. An sich „fehlt” mir
Nichts, aber in meinem begonnenen fünften
oder vielmehr sechsten Lebensdezennium