Faistauer, Anton: Brief an Arthur Roessler. o.O., 12.6.1914
Es macht mir bange vor dem Malen u. gar die
äußere Natur vor dem Hause verstrickt mich un-
abläßig u. macht mich müßig. Ich habe schon ge-
malt, doch ist dies von keinem Belang. Ich werde
immer mürbe vor den Gegenständen u. zergehe fast.
Das ist schmerzhaft u. zweiflerisch. Dabei bin ich doch
schon ganz heraußen u. die Stadt ist unendlich fern
u mein 'miserabile' wird ganz 'komisch'
In 14 Tagen gehe ich nach St. Martin bei Lofer auf
einen ganz geringen ruhigen Platz, der "Scheffsnoth"
heißt, da ein Onkel einen Hof hatt u. zwei Kammern
u. ein großer Tachboden für mich da ist.
Wenn mir recht viel Gunst wird, dann mag schon
etwas werden. Immer wird mir mehr bange vor
der Arbeit u. immer will ich zorniger werden.
Ich freue mich wenn Sie mir manches Mal Nachricht
geben von sich u Ihren Erlebnissen u wünsche
Ihnen einen guten Start u. grüße Sie u Ihre
Frau mit meiner Frau herzlichst
Ihr ergebener
Anton Faistauer