Felner, Karl von: Brief an Arthur Roessler. Berlin, 19.9.1917
Berlin, den 19. September 1917.
Mein Lieber,
nicht weil der Redaktor meinen Strindberg-
Aufsatz abgelehnt hat, sondern sie Gründe, aus denen er ihn
Dir zurückgab, würden mich, wäre ich Herausgeber der Zeit-
schrift, veranlassen, sofort auf seine weitere Mitwirkung zu
verzichten. Du kannst ihm das von mir bestellen, wenns Dir
Spaß macht. -
Aber ich will eigentlich nicht mit Schimpfereien begin-
nen, - das kommt daher, dass ich gerade furchtbar fuchtig bin
über Dinge, die einem nur in Berlin passieren können, - na
Schwamm drüber.
Ich dank Dir schön für Deinen Brief und alles was drin
steht. Dass das Gedicht eher genommen werde, als der Auf-
satz, habe ich nicht erwartet. Umso besser. Mein eigentliches
Element ist doch die Kunst selber, nicht Disputationen über
sie. Wenn ich trotzdem für diesen Winter das Berliner Thea-
terreferat übernommen habe, und zwar für den "Merker" (es
scheint jetzt mit dem neuen Redakteur nach Specht und Kar-
páth ein anderer, weniger österreichischer Zug in die Redak-
tion zu kommen!), so tat ichs sowol wegen der kostenlosen Ge-
legenheit, Thater haben zu können; als auch in der Absicht,
Kritik vom Standpunkte des Zuschauers und seiner Emotionen
aus im Gegensatze zu der hundeschnautzenkalten Berufsreferen-
tenkritik, zu treiben. Im Winter 1915/16 habe ich damit an-
gefangen, das scheint aber Karpath nicht gepasst zu haben,
so dass er mich nicht wieder wollte; während die jetzige Re-
daktion wieder auf mich zurückkommt. Viel zu verdienen
ist übrigens dabei nicht, wenn ich auch 20 pfg pro Zeile be-
dungen habe,- im Vergleiche zu den 10 Hellern Karpaths immer-
hin schon eine Kriegszulage für Streichhölzer.
Das "Donauland" kenne ich noch nicht, werde es mir aber
allernächstens ansehen, eventuell mir eine Probenummer aus
Wien schicken lassen; ich weiß aber die Adresse der Redaktion
nicht; willst Du so lieb sein, und mir eine Probenummer sen-
den lassen? Bitte! Die Vortragsunternehmen des "D" in Berlin
werde ich sicher nicht vorüber gehen lassen, ohne Deine Wei-
sung zu befolgen. Wie kommt denn aber Hans Müller in die Ge-
sellschaft z. B. Werfels? Hans Müller!!! - Wenns mit dem Teu-
fel zugeht, dass ich überall so schwer, oder eigentlich nir-
gends noch angekommen bin, so gehts seit 15 Jahren, oder
noch länger mit dem Teufel zu. Ich bin oft einfach ratlos
über die Gründe, aus denen das so ist.
Nicht gut gehts Dir, armer Kerl? Und Soldat bist Du auch
noch? Na, warte: jetzt dauerts nicht mehr lange, und was wir
alle seit drei Jahren mit aller Fasern unseres Gefühles und
unserer Vernunft erwarten, wird bald in Form eines Friedens
da sein.
Nochmals tausend Dank und herzliche Grüße von mir und
Frau an Dich und Frau von Deinem KF