Felner, Karl von: Brief an Arthur Roessler. Weimar, 12.2.1914
Weimar, Neuoberweimar, den 12.Februar 1914.
Mein lieber, alter Kerl,
meiner Frau hats riesig
leid getan, dass sie euch nicht mehr hat sehen können. Wenn
ihr aber wirklich nach Berlin zieht, so ist das ja nachzu-
holen. Hast Du da schon einen festen Entschluss gefasst?
Schreib mir doch darüber, sobald Du sicheres weisst. Denn
das wäre doch famos, wenn wir beide im gemeinsamen Hafen
Berlin landen sollten!
Pfemfert konnte ich nur mehr telefonisch erwischen,
er war schon wieder mitten in neuen Ballvorbereitungen. Ich
deutete ihm an, was ich von ihm wolle und schrieb ihm von
hier aus. Auch mit Schwabach, der nicht zu kriegen war,
machte ich einstweilen brieflich Anknüpfungen, unter Beru-
fung auf Dich. Vorläufig sandte ich ihm den "Michelange-
lo". Du, vergiss bitte nicht wegen des von Dir erwähnten
in Wien neubegründeten Verlages!
Mein Haus habe ich schon zu Kauf oder Miete ausge-
schrieben. Sobald diese Sache erledigt ist, gehts nordwärts.
In Westend am Reichskanzlerplatz haben wir auch schon eine
Wohnung in peto. Wenn Du nach Berlin ziehst, rate ich Dir nur
zu dieser Gegend. Man kommt sich dort gar nicht wie
in Berlin vor. Mietpreis cca 400 Mark pro Zimmer, mit al-
lem nur erdenklichen Komfort. Und dann lassen die Hausherrn
auch mit sich handeln. Untergrundbahnstation "Reichskanz-
lerplatz", Stadtbahn "Westend-Heerstrasse". Rechts die Haide
links über ein paar Strassen der Postdamer Forst. Wohnungen
in Masse leer. Am Ende wohnen wir nahe beieinander?! Die üb-
rigen Stadttheile sind für unsereinen auch nicht annähernd
so passend - ich bin aber kein Wohnungsagent von Westend!!! -
Wär ichs nur, dann könnt ich mir dabei viel verdienen.
Mit Georg Müller ists nichts. Er schrieb, es sei ein
Irrtum: er wolle kein Lektorat für Berlin, sondern nur ein
redaktionelles Bureau. Es wird sich schon was anderes mit
der Zeit finden. Aber Geld verdienen muss ich mir jetzt.
2 - 3000 Mark jährlich mindestens! Ich würde für ein paar
Stunden des Tages, für den Anfang wenigstens, auch Kuliar-
beit machen. Weisst Du da einen Rat?
Also lass wieder von Dir hören, wenn Du zu Atem ge-
kommen bist. Wir grüßen euch herzlichst und freuen uns auf
eine Berliner Nachbarschaft.
Dein
KF