Felner, Karl von: Postkarte an Arthur Roessler. Charlottenburg, 27.11.1915
M.L. 27.11.15.
Heute schreibt mir Schiele und beschwert sich,
dass Du auf seine zweimalige Aufforderung,von Dir
hören zu lassen, nicht reagirt hast.Er will sich
bei der Militairbehörde nach Dir erkundigen. -
Vielleicht findest Du eine Stunde Zeit, etwas
Harmloses, Blumiges zu lesen; ich schicke Dir mein
Kindermärchen "Marienkind" mit gleicher Post. Wenn
Du abends müde im Bett liegst, ist das so etwas.
Mich selber freut das kleine Ding,habe aber noch
wenig Freude damit gehabt; denn ich bin heuer zu
spät gekommen: die Bühnen hatten schon alle ein
Weihnachtsstück. - Seltsam wird Dich ja so etwas
von mir anmuten; aber ich habe einmal ein Bad im
Naiven nehmen wollen, und es hat mir,scheints,ganz
gut bekommen. Ich möchte gerne hören,was Du dazu
sagst. - Ich bin mit Projekten voll, dramatischen
und essayistischen; nur haben die Zeitschreiften