Felner, Karl von: Postkarte an Arthur Roessler. Charlottenburg, 20.11.1915
21. 11. 15.
M.L.! Deine Nachricht, daß Du in Wien bist und bleibst,
ist das Erfreulichste seit langer Zeit für mich gewesen. Ich
hatte große Sorge um Dich, denn Du warst für mich verschollen!
Und nun weiß ich Dich geborgen und mit Deiner jetzigen
Lebensführung nicht unzufrieden. Wie wird Deine Frau
sich gefreut haben!! Wer sagte Dir, dass ich nach Dir fragte?
Schiele, der mir neulich schrieb? Hat denn vor Kurzem
Deine Frau meine Karte erhalten? - Weißt Du noch, wie wir
in Berlin zusammen bummelten? Wann gibts so was
wieder ?!?!?!…
Mir gehts mit meinen Nerven, deretwegen ich dauernd
invalide geschrieben wurde recht schlecht. Ich arbeite soviel
mir möglich ist, momentan, nachdem ich heuer schon 3 große dra-
matische Arbeiten zuletzt ein Kindermärchen "Marienkind" fertig
habe, an nichts Größerem; bin Berliner Theaterreferent für eine
Korrespondenz, bespreche Bücher und schlage mich mit meinen
Nerven herum. Alles ist so grauenvoll … Gregori ist jetzt auf
Urlaub hier, spielt & inszenirt bei Reinhardt (ich sehe näch-