Födinger, Edmund: Brief an Hermine Keim. Gmunden, 21.9.1914
dort machte man ihn frei. Nun hatte er
seit Tagen kein Geld; aus dem Geschäfte wo
er als italienisch. Correspondent war, wurde
er als Deutscher entlaßen - so war er ohne
Mittel - u. jetzt sollte er Geld haben um zu
leben u. n. Holland zu.reisen an die deutsche Grenze.
Glücklicher weise verschaffte er sich vom öst. Botschaftssekret.
leihweis. 2 £ und nun mußte er fort; in 3 Stund. ging´s
letzte holl. Schiff ab. Mittlerweile wurde aber Edi, kaum
aus der Haft entlassen, wieder zu den Konsignirten verh[aftet] [Anm.: Seite 3 links]
d. s. öst. u. deutsche Milit.Pflichtige zirk. 3-4000, die die
Engländer nach Schottland expedirten, wo sie als
Kriegsgefangene jetzt sind. Diesen ging Edi im unbewachten
Augenblick durch u. kam so gerade noch zum letzten Schiff
zurecht, unter Hintlassung aller seiner Habseligkeiten -. Bis an
die deutsche Grenze hatte er noch Geld u. ging gut,- aber dann
wurden die Stellungspflichtigen wohl mit begeisterten Hurra
empfangen, aber in Viehtransportwägen hineingestopft,
hatten nichts zu essen, waren so zusamen gepfercht,
[seitlich links:]
daß sie blos nur stehen konten so mußten sie schlafen u Nothdurfte verrichten, fuhren 5 Tage bis Gmunden
u. hatten blos Schiffszwibak u Chokolade durchs rote + zum Essen. 2mal wurde Edi ohnmächtig
[am oberen Rand über Kopf:]
stürzte einmal schwer u. kam in ganz herabgekomm. Zustand
mit stark geschwollenen Füßen nach Hause. Diese Heimreise
von England hätte er sich nicht gedacht.