Freundlich, Emma: Brief an Marianne Hainisch. Wien, 10.12.1920
Emmy Freundlich
Abgeordnete
Wien 12, Schönbrunnerstraße 254
Wien,den 10.Dezember 1920
Liebe,verehrte Frau Hainisch!
Es drängt mich doch Ihnen von ganzen Herzen Glück zu wünschen.Es ist
doch auch Ihr Werk und Mütter haben doch immer den entscheidenden Ein
fluss auf die Gesitesart ihrer Kinder,so dass die Ehre auch Ihre Ehre
ist.
Ich würde es von ganzen Herzen begrüssen,wenn Ihr Sohn die Kraft und
die Geduld hätte zwischen den Parteien ein wirklich leidliches Verhät-
niss anzubahnen und die unerträglichen Gegensätze zu mildern,die leider
täglich schärfer werden.Sie wisssen,dass ich zu den Menschen gehöre,die
arbeiten können und die gerne mit allen arbeiten,aber es ist nun wirk-
lich schwer zu einem leidlichen Verhätniss zu kommen.Deshalb ist der
parteilose Mann vielleicht ein Glück,wenn er die Geduld nicht ver-
liert und immer wieder die goldene Mitte sucht.Ihr Rat und Ihre viel-
seitigen Verbindungen,die Werstchätzung,die Sie genisssen,ist ja auch
sein Kapital und Sie können dabei vielleicht einmal zeigen,was edle
Frauen,die nur Menschen sein sollen,vermögen.Soweit ich dabei helfen
kann,seien Sie versichert,ich werde es gerne tun.
Uebermitteln Sie auch Ihrem Sohn und seiner lieben Frau meine herzlichs-
ten Wünsche für das Gelingen des grossen Werkes.
In aufrichtiger Freundschaft
Ihre Emmy Freundlich