Fraungruber, Hans: Postkarte an Max von Millenkovich-Morold. Wien, 12.1.1931
Verehrter Freund! Auch ich danke schön für die Theater-
karten, die meine Leutchen wiederholt durch Deine Liebens-
würdigkeit erhielten.
Der Wr M.G.V. hat nun doch mein Verhalten als
gerecht befunden, bin ich doch seit 5 Jahren nur mehr
nominelles Mitglied, das gar nichts leistete und das
der Verein dennoch freundlich weiter zählt. Das ist
genug Anerkennung.
14 Tage hatte ich arg zu leiden, so daß ich Prof. Dr Reiter
zu Rate zog, der eine Behandlung einleitet (durch
Prof. Dr Kren IX.), weil ich zu viel Geld habe! Nützt das
auch nicht, mache ich Schluß mit den Medizinmännern.
Linderung ist mir in Aussicht gestellt, Heilung ist
nicht möglich. Jetzt flauen die Schmerzen etwas ab.
Hoffentlich bist Du samt Frau Gemahlin wieder ganz
wohl! Deine schönen Reiseerfolge haben uns immer
erfreut. Kürzlich hat Baron Lilienau bei uns herrlich
Joh. Strauß gespielt u versprach, bald wieder zu kommen.
Briefe, Besuche u Rezensionen treffen auch stets ein, so bleibt
die Gefangenschaft erträglich.
Alles Gute zu Dir. Mit herzlichen Grüßen, Empfehlg,
bzw. Handkuß in Treuen
Dein ergebener
Hans Frgbr
Wien, 12.I.31.