Fraungruber, Hans: Postkarte an Max von Millenkovich-Morold. Wien, 1.12.1925
Verehrter Freund! Sehr gern möchte ich kommen,
kann aber nicht bestimmt zusagen. Seit Beginn des
Nov. war ich jede Woche ein paar Tage bettlägerig,
die hartnäckige Grippe läßt mich nicht los. Bei den
heutigen Verhältnissen heißt es auch, sich einschränken
und sich manchen lieben Verkehr versagen.
Deine Bemerkung tut mir leid, denn gerade Dich
wünschte ich ganz unbeschwert. Leider hört man
allseits die gleichen Klagen. Und dabei sind wir
halt doch nimmer jung.
Die Meinen sind gottlob alle gesund, Richard zwar
stark angestrengt, aber geborgen, und sein zwei=
jähriger Bub Herbert ist ein fideler Knirps.
Wegen Stüber war ich zweimal im Rathaus, wo der
mir von früher bekannte Stadtrat K. Richter tätige
Förderung versprach; die Sache scheint also bald be=
friedigend in Ordnung zu kommen. Wenn ich an die
liebe Runde denke, wird mir schwer ums Herz. Wir
wollen mit Greinz noch lange durchhalten! Denk auch Du
daran, daß öfteres Rasten stärkt.
Alles Höfliche und Gute von Haus zu Haus.
Herzlich Dein allzeit getreuer
Hans Fraungbr
Wien, 1.XII.1925.