Fraungruber, Hans: Postkarte an Max von Millenkovich-Morold. Wien, 9.11.1928
Verehrter Freund! Erstens wünschten wir gern zu
wissen, wie sich Deine werte Frau Gemahlin befindet, Du
bist ja gottlob zumeist aufrecht. Bei uns ist immer
das gleich Spital. Nur meine Uraniavorlesung konnte
ich halten und am 11. dM. will ich mit Frau, die abends ins
Konzert geht, vorher einer Einladung folgen, ansonst
halte ich gewöhnlich Hausarrest mit Schmerzen.
Überraschen wird Dich, daß mein Heimatstück in Graz
vor den prominenten Persönlichkeiten unglaublichen
Erfolg hatte, so daß die Aufführungen (vorm. Landestheater
am Mariahilferplatz) noch vorverkauft sind. Auch
die Presse war recht gnädig. Sonach scheint die Um=
arbeitung gelungen zu sein. Hinfahren konnten
wir nicht, es ging auch ohne mich. Natürlich war es
vorwiegend ein Erfolg des ursteirischen Stoffes u.
ausgezeichneter Darstellung „dankbarer” Gestalten.
Weitere Folgen werden sich kaum einstellen.
Wenn ich mich nur freuen könnte! Aber die Meinen
sind es noch imstande.
Von uns die herzlichsten Grüße bzw. Handkuß.
In Treuen Dein gemarterter
Hans Fraungbr
Wien, 9.Ⅺ.28.