Friedländer, Alice: Postkarte an Elise und Helene Richter. Berlin, 16.8.1914
ben waren, doch auf's Gerate-
wohl nach Garmisch, bekam
keine Antwort. Erkundigte mich
auf der Polizeidirektion, ob Ihr
etwa auch da seid. Bekam nur
durch Betteln u. Bitten eine Aus=
kunft, die lautete: nein. Wir be-
kamen in München nur 2 Briefe
von Max (Eilbriefe nach 5 Tagen)
alles Andere ging verloren. Von
Franz und den Eltern kam nichts an.
Als wir von Bozen abfuhren,
hiess es, man käme noch durch
bis Berlin. Die Mittwaldbahn war
gesperrt. In München empfing uns
die Nachricht: Personenverkehr
nach Berlin vorbei. Nun sind
wir Mittwoch, d. 12. auf gut Glück
noch abgereist u. Freitag Abds.
hier angekommen. Ich schriebe Euch
gern einen ausführlichen Brief,
aber es geht ja nicht nach Oesterreich.
Franz muss sich zum Landsturm
melden, wird aber keinesfalls für den
Felddienst genommen. Keine Familie
ist unbetheiligt. Eine grosse aber
schwere Zeit. Gott gebe ein baldiges Ende.
[seitlich links] Schreibt mir sobald Ihr zu Hause seid. Treulichst Alic