Fürst, Walter René: Brief an Arthur Roessler. Sankt Moritz, 18.1.1914
Es ist erbaulich. Je mehr solcher Erfahrungen ich aber mache,
desto fester glaube ich, dass es auch ohne das Alles gehn muss. Ich
glaube, dass, wenn man eine Zeitlang ruhig für sich gearbeitet und sich
vorwärts gebracht hat, die Zeit kommen muss, in der man nicht
übersehen werden kann. Und je weiter abseits ich inzwischen von
den Tagesströmungen gerate, desto besser ist es für mich.
Nur vergessen werden darf ich nicht - schon deshalb nicht,
weil ich nicht weiss, wielange ich das finanziell durchhalten kann,
ohne mich wieder in eine feste Stellung zu begeben (die mir dann
zu finden schwer wäre). Auch weil ich nie ganz davor sicher sein
kann, dass mich nicht doch wieder der Theaterwahnsinn packt.
In jedem Fall wäre die Sicherheit, in absehbarer Zeit bei
Koch herauszukommen, mir ausserordentlich wertvoll; das Ge-
dächtnis wird wach erhalten, während ich inzwischen ruhig
meinen Problemen nachgehn kann. Sie begreifen, verehrter Herr
Dr. Roessler, wie wichtig dies für mich gerade während der Zeit
sein muss, in der ich mich aus dem gewonnenen Zusammenhang
loslöse [und die Folgen der Abwesenheit schon zu spüren habe.]
Ich rede mir Ihnen gegenüber, verehrter Herr Doktor, meine
Kunstsorgen vom Herzen, weil ich Ihr freundschaftliches Interesse
für meine Arbeiten kennen gelernt habe. Darf ich damit rechnen,
von Ihnen Näheres über die Publikation zu hören? Ich lege heute
zwei Photographien des Modells bei, das ich s. Zt. zu „Richard II.“
gemacht habe (Koch hat die noch nicht.) Die Aufnahme des
Bücherschranks kriege ich von Schaschek nicht heraus, ich weiss