Fulda, Ludwig: Brief an Otto Tressler. Karlsbad, 9.5.1925
Karlsbad, Königsvilla
den 9 ten Mai 1925.
Lieber Freund!
Vielen Dank für Deinen Brief, der mir hierher,
wo ich seit einigen Tagen zur Kur weile (meine
Frau folgt mir morgen oder übermorgen nach) weiter-
gesandt worden ist. Ich freue mich furchtbar, daß der
Peer=Gynt=Erfolg, der zum ganz überwiegenden Teil
Dein persönlichster Erfolg ist, sich so bestätigt und aus-
wächst. Wenn Du die Rolle auch in Berlin spielen
könntest, wäre Niemand glücklicher darüber als ich.
Gleich habe ich an meinen Verlag Bloch Erben geschrieben,
ob er das nicht anregen könne; im Uebrigen kann
ich meinerseits natürlich nicht viel dafür tun, ohne
Dir und mir was zu vergeben. Reinhardt wäre der
Höchste dazu; stehst Du nicht so mit ihm, daß Du ihn mal
drauf stupsen könntest?? Am Schauspielhaus spielt man
noch immer die Verballhornung von Eckart. Barnowsky,
der die Morgenstern'sche gespielt hat, würde sich schwerlich
entschließen, das Stück in dieser neuen Form frisch zu
inszeniren. Blieben Hellmer und Saltenburg, und die
sind beide nicht ganz die rechte Adresse. Wenn ich wieder
in Berlin bin (Ende Mai) will ich, soweit es an mir
liegt, herumhorchen.
Mit herzlichsten Grüßen
Dein getreuer
Ludwig Fulda.