Glossy, Karl: Brief an Rudolf Holzer. Gleichenberg, 23.8.1929
Bad Gleichenberg 23. August 1929
Lieber Freund!
Ich habe Ihren eingeschriebenen Brief heute in Bad Gleichenberg
erhalten. Die richtige Antwort hierauf wäre, den Inhalt zu
ignorieren, soweit er meine Person betrifft, denn ich habe
bisher keinen Schritt gescheut, um einem Freunde hilfsbereit
zu sein. Ich gebe trotzdem die Hoffnung nicht auf, bei meiner
Rückkehr, einen Erfolg zu erreichen. Was den übrigen Inhalt
des Briefes betrifft, so war ich einigermassen darüber erstaunt,
wie Sie die Waffe gegen sich selbst kehren. Wenn alle diese
Drohungen nicht blinde Schüsse wären, so könnte ein und
der andere mit Leichtigkeit ein Delikt konstruieren, das
böse Folgen nach sich zöge. Ich bin wahrlich froh, daß
Sie diese Worte nur an mich gerichtet haben, die ich
wohlweislich für mich behalten werde. Ich begreife
vollkommen Ihre Überhitzheit und entschuldige sie
auch, aber die Art und Weise, wie Sie ihr Luft
machen, kann ich als aufrichtiger Freund, in Ihrem
Interesse nicht billigen. Das hieße alle Brücken
abbrechen. Sie vergessen, daß weder ich noch Dr Huber,
noch auch der gesamte Ausschuß ein Zwangsmittel hat
da die Vereinsleitung nur Verpächterin des Hauses ist und in
künstlerischen Fragen kein Recht hat, Einfluß zu nehmen.
Alles kommt sonach auf den guten Willen des anderen
Teils an, einer Fürsprache gerecht zu werden. Auch bei