Geiger, Ludwig: Brief an Ottilie Franzos. Berlin, 22.2.1915
GEH. REGIERUNGSRAT
PROFESSOR DR. LUDWIG GEIGER
BERLIN, DEN d.22.2. 1915.
W. 50, SCHAPERSTR. 8
Liebe Freundin!
Ich sende Dir anbei die Drucksachen zurück und sage
Dir für Deine Freundlichkeit besten Dank. Für Deine Mittei-
lungen bin ich Dir dankbar, sowie ich wieder etwas Gedruck-
tes habe, sende ich es Dir zu.
Anknüpfend an die neue Auflage von Halb-Asien habe.
ich einen Aufsatz geschrieben. Ich schickte ihn vor 8 oder
14 Tagen an die Redaktion der Zeit in Wien, habe bis jetzt
aber noch kein Belegexemplar erhalten. Ich habe mir eine Ab-
schrift des Artikels zurückbehalten und will ihn auch in
meiner Zeitung veröffentlichen.
Uns geht es so weit ganz gut. Durch die neuesten
Siege sind wir sehr hoffnungsreich gestimmt.
Eugen's Ausmusterung bedeutet glücklicherweise keine
sofortige Einziehung zum Militär. Es kann Wochen, ja Monate
dauern, bis er wirklich berufen wird, denn sehr viele der
schon vor Monaten für tauglich Befundenen sind noch immer
hier. Freilich ist ja die Hoffnung auf den baldigen Frieden
eine sehr geringe, sodass auch die, die bisher noch nicht
eingestellt sind, schliesslich herankommen können. Auch da
wollen wir das Beste hoffen. Mitte März oder Anfang April
wird sich wohl auch Arthur stellen müssen. Die Kinder sind
heute vor 8 Tagen zu ihrer Schwester, Frau Dr. Sachs gezo-
gen, deren Mann als Arzt die Tätigkeit in einem östlichen
Lazarett hat annehmen müssen. Leider war dagegen nichts zu