Gangl, Josef: Brief an Leopold W. Rochowanski. Wien, 7.4.1914
P.S. Ich lege da auch eine Recension bei, die ich eben
heute bekam und die auch Biographisches enthält und
auf biografisches hinweist
Geehrter Herr!
Biographisches: Ich bin in Deutsch Beneschau, (Deutschböhmen) als Sohn eines
Bauern und Gastwirtes am 25 August 1868 geboren, verlebte beim
Pfluge und der Bierpiepe eine nichts so wenig als schöne Jugend und
kam erst als frühgealterter ausgerakterer Mann von den mir verhaßten
und vergällten "heimatlichen" Verhältnißen los.
Schulbildung habe ich nicht die mindeste genossen. Wirklich nicht einmal
Volksschulbildung. Von dem Pfluge ging ich als dabei nicht mehr ging
direkt zum Teater. Ich war nähmlich so musikalisch dass ich sofort
auch als Bauer ein Engagement bekam, wenn auch kein gutes.
Zu schreiben hab ich erst weil's mich dazu drängte und weil ich doch um auch
meine Mutter und andere Leute erhalten zu können eine
Nebenbeschäftigung brauchte. Und dann hat sich das Schreiben als das
Hauptgeschäft herausgestellt und heute trägt's mir genau so viel dass
wir davon leben. In Wien werden aber meine Bücher nicht gelesen.
Für mich kommt Wien weniger als irgend eine ganz kleine deutsche
Stadt in Betracht.
Es hätte deshalb auch gar keinen Sinn wenn ich hier eigene
Dichtungen vorlesen würde, ich und die Wiener würden uns
dabei voreinander lächerlich machen. Sie aber - Sie möcht' ich