Geisler, Paul: Brief an Wilhelm Kienzl. Posen, 13.5.1915
Zeppelin, Unsere Frauen, Unsere Todten,
Friedensklänge. Letzteres in Polonaise=
die übrigen in marschartiger Form. –
Ich stand mich früher mit Vesella in
Rom gut, dem Dirigenten der Banda
municipale. Aber ehe ich einem von
diesem verrätherischen Volk die Hand
reichte oder auch nur ein freundliches
Wort gönnte, stürbe ich lieber. Mir ist
die ganze italienische Kunst, für die ich
einst so heiß erglüht, fraglich in
Betreff ihrer inneren Wahrheit ge-
worden. Entsetzlich, wenn Ihr Volk Triest
an Italien ohne Schwertstreich abgeben
sollte. Das ist ja seitens Italiens
räuberischer Überfall!
Behalten Sie mich in gutem Andenken.–
Ich werde nie „ausreifen”! Mir geht
das Temperament immer noch durch.
Ich haße Alles, was Italien heißt, heute.
England konnte ich nie verstehen. Ich
habe noch genug von den 6 Wochen Wag-
nergastspiel in London 1882.
Heine, den ich immer noch, als intimus
bezeichne, hat nur mit seiner zermalmenden
Kritik über dies herzlose besitzende Gesindel
gar zu recht.