Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Winkelsdorf, 20.9.1919
Nun will ich die noch fehlenden Tage genau
beleuchten. Heute ist es Samstag und werden
bereits meine Reisedokumente bei den Behörden
geprüft und für die Heimreise bestättigt. Ausser
dem regnet es nachdem zwei Tage lang ein wilder
Sturm uns bedroht hat. Zum Andenken habe
ich eine rheumatische Welle durch die Gesichts-
nerven behalten und kann vor Schmerzen kaum
aus den Augen sehen, nicht beissen, kaum sprech
chen. Dabei ist das Gehirn mit einem schweeren
Stein belastet. Es ist Mittag und hoffnungslos ~.
Morgen wird es Sonntag sein, der einundzwan-
zigste, dan Montag der zweiundzwanzigste u
und Dienstag muss und will ich abreisen. Wan
ich aber in Wien ankommen kann kann mir
weder das Betriebsamt der Eisenbahn noch
sonst eine Behörde angeben. Vielleicht in einem
Tage und einer Nacht. Dan käme ich also e * erst am 24 in meine Werkstätte. Nachdem
wie ich eben aus Wiener Zeitungen erfahren ha-
be die Elektrische nicht mehr verkehren soll, so
werde ich wohl den weiten Weg vom Nordwest=
bahnhof nach der Krieau machen, aber ich ka
kann nicht annehmen dass aus Dornbach ein
hoher Besuch zu Fuss nach der Krieau kommt
das sind zumindest sieben Kilometer also für
Schuhe mit hohen Absätzen zumindest zweiein-
halb Stunden, hin und zurück fünf Stunden. Un-
möglich zu machen. Also will ich unverändert
am oberen Programm festhalten und gleich nach
meiner Ankunft in Wien entweder ein Telegramm
oder eine Rohrpostkarte, oder ein Telefongespräch
schicken. Bis dahin soll die Zeit rasch vergehen.

  • 25. im Atelier
    AH
    Winkelsdorf 20. September 1919