Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Winkelsdorf, 22.9.1919
Das Wetter ist tief abgestürzt und es sch
schneit. Mich hat es mitgerissen und kann
mich von diesem Sturz nicht erholen. Fast
gehe ich krumm und kann mich vor Schmerzen
nicht gerade aufrichten. Ich muss einen
Tag hier zugeben um mich auf die Wieder=
standskraft zu prüfen und werde ich Diens=
tag und Mittwoch fahren. Solange dauert
es noch. Dan geht hoffentlich die Elektrische.
Habe schon Alles eingepackt und das Reise
fieber, und muss wieder warten. In dieser
schweeren Zeit kann niemand seinen Plan a
auf den Tag bestimmen, wen es noch so lange
fortgeht dan kommt sicher die Zeit wo man
nur alle zehn Jahre eine Reise thut und
vorher sein Testament macht, womöglich ei=
nen Sarg mitführt, welcher die genaue A
Adresse des Beerdigungsortes enthällt. Heu
te habe ich über Wien schreckliche Vorstellungen
und bin um unsere Zukunft dorten sehr beun=
ruhigt. Was wird wohl aus diesem Häuserm
meer noch werden wen die Menschen keine K
Kohle, kein Holz, keine Baumwolle, kein Fleisch,
kein Brot haben. Man möchte sich aber sa=
gen: Recht so, nun wisst ihr Alle was es heist
wen nur planlos gearbeitet damit eine Un=
menge angehäuft wird, wen uns das Geld und
nicht die Vernunft regiert. Zurück, weit in
das Zeitalter der Handwerker, Ausschaltung
der geistig Thätigen wen sie nicht in der H
Hauptsache ein edles Handwerk ausüben.
Morgen Dienstag muss die Abreise erfolgen~~.
Nachrichten gebe ich sofort bei meiner An=
kunft in Wien.

AH
Winkelsdorf 22 September 1919