Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Winkelsdorf, 17.9.1919
Lillith's Hände sind scheinbar wirklich
verunglückt. Kein Nachricht kommt
aus Ihrer Welt, keine Schriftzeichen. Od
Oder muss Lillith so viel Arbeit verrichten
dass Ihr keine Zeit übrigbleibt, oder es sind
die Finger so wund geworden dass sie keine
Feder halten können. Irgend ein Grund
wird herrschen und gebieten. Die Zeit hier
geht zur Neige und das Bangen wird täg
lich breiter. Bald wird sich Alles verbun=
den haben und fortziehen. Den Zugvö=
geln gleich die vielleicht ihre letzte Reise un=
ternehmen. Wird die Freude dorten har=
ren, oder nur das Leid, das Leben oder
der Todt? Der Aufbruch hat schon lan=
ge begonnen, nur der erste Schritt lässt n
noch auf sich warten. Fünf Tage noch, hof=
fentlich, ganz bestimmt und unverrück
bar. Eine Nacht soll die Heimkehr dau=
ern und der Morgen soll das Wiedersehen
bringen. Und dan beginnt wieder die A
Arbeit die niemals enden will, dan k
kommt das Vergessen. Und Untergehen.
Ein starker Wille wird weiter herrschen und
vorwärts treiben, und im hohen Gefühl
der Ergebenheit wird Alles vollbracht~.

AH
Winkelsdorf 17. September 1919