Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Winkelsdorf, 18.9.1919
Stumm drängt sich ein Wille mir ent=
gegen, unermesslich ist sein Ziel. Einer
finsteren Wolke gleich über deren Grenzen
die Strahlen der Sonne scharfen Pfeilen
gleich, schiessen. Als müsste ich zur Erde
mich werfen und so das Ende erwarten.
Immer tiefer senkt sich das Ungeheuere, h
hällt meine Augen im Bann, immer d
dunkler wird der Raum der mich umgiebt
und die Last wiegt dem Entsetzen glei
gleich, schweerer als das ganze Sein, A
Allen Seiten gleich zuströmend, nicht
zögernd noch schönend, klar und un=
erbittlich. Eine Sekunde noch dan wird d
dieses Geheimniss über mich hinweggezo=
gen sein, oder bei mir stehen
geblieben sein, mich tief in die Erde
gedrückt, oder erhoben haben, mich
erstickt oder fortgeschleppt haben.
Die Augen schliessen will ich und kann
es nicht mehr, rufen will ich und er=
sticke an der Starre des Kehlkopfes. Die
Arme entgegenstrecken, dieses Ungeheuer=
liche zu umarmen, den Kopf zurück
neigen. So, Du stummer Wille breche
mein Genick!
AH
Winkelsdorf 18. September 1919