Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Winkelsdorf, 20.9.1919
Bleibe noch Du wundervolles Bild, lass m
mich näher kommen, verlasse mich nicht.
Der Sturm der Dich hier hergebracht soll Dich
hier vergessen, soll Dich zur Erde senken -.
Du siehst mich nicht an und gleichest der s
stummen Frage, dem blinden Umsichsehen.
Bist von Gott gesandt, hast Dein Reich verlas-
sen, musst hier irren um, wer weis es, nie-
mals wieder zurück zu kommen. Du kennst
Deine Sendung nicht, hast nur das Himmelr=
reich gesehen, Du staunest nur dass Alles h
hier verbrannt und ausgelöscht -. Rege
doch Deine Arme, lasse mich in Deine Augen
sehen, sprich, dass ich den Klang Deiner
Stimme vernehme. Siehst sonst den Ande
ren gleich und scheinest nichts zu begehren,
bist unverändert und regungslos selbst wen
meine Hände nach Deiner Nähe greifen. D
Du fürchtest Dich nicht und bist dasselbe Ge-
spenst. Einmal werden sich Deine Augen öffnen
dan werde ich den tiefen Abgrund wahrneh=
men, den Du mir offenbarst da Du mich
gehört. Jetzt bitte ich die Stürme, dass sie Di
Dich forttragen -, Du stehst unverän=
dert still, ich will um Dich herum und sehe
immer Dein Antlitz, ich will fliehen und kom-
me nicht von der Stelle. Ganz nahe an Dir
bebe ich nun und bin willenlos geworden -.
Warum zieht es mich so gewaltig zu Dir - Du
willst doch nichts?
AH
Winkelsdorf 20. IX. 1919