Hanslick, Eduard: Brief an Hedwig Abel. o.O., 2.1.1897
Sonntag Abend. 2. Jänner
Mein liebes Fraülein!
Als Mitarbeiterin der „Gegenwart“ erhalten Sie wohl
das Blatt? Es hat ganz kürzlich einen Aufsatz von
Klaus Groth über Brahms gebracht, den ich gern lesen
möchte. Könnten Sie mir denselben für 1-2 Tage leihen,
vielleicht zugleich mit dem „Struwwelpeter“ schicken? Ich wäre
Ihnen sehr dankbar dafür, da ich mir das Blatt sonst
nicht zu verschaffen weiß.
Ich freut mich aufrichtig, Sie heute daheim angetroffen
und Ihre ausgezeichnete Frau Mutter kennen gelernt zu
haben. Zu spät fiel mir ein, Sie zu interpelliren, ob es
sich nicht durch Ihren Onkel einleiten ließe, daß Sie
neben dem immer fauleren Speidel als zweiter
Musikreferent stabil beim Fremdenblatt eintreten?
Sie würden sein fleißigerer Adjutant sein, ungefähr wie
Heuberger bei der „N. fr. Pr.“ Ihrem literarischen
Ruf würde das Fremdenbl. mehr nützen, als der „Jacob“.
Und für gehörige sichere Entschädigung müßte gesorgt
werden. Mit Sp. allein kommt das Blatt nicht mehr
aus. Es geht mir das schon im Kopf herum, seit ich
Ihre vortrefflichen letzten Aufsätze gelesen habe.
Vielleicht dient meine Idee Ihnen wenigstens als Anregung,
selbst darüber zu denken u. mit Hévesy zu sprechen.
Ihr ergebenster
EdH.
P.S. Dienstag 11 Uhr: Generalprobe von Heubergers
„Opernball“ im Wiedner Theater!