Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Winkelsdorf, Landhaus Primavesi, 30.8.1919
Die eisernen Ketten halten den Kopf n
noch immer fest zusammen, ihre Last w
wird nicht milder. Zwei Tage hat die Son
ne geschienen, jetzt heult der Sturm und
es regnet. Dabei wird es immer kälter ~.
Hoffen und wieder hoffen, jeden Glauben
an das Wunder verlieren. Es muss so bl
bleiben, der Rest des Lebens soll im Dre=
hen des Sinnens, im Wirbel eines trüben
Wollens untergehen. Wie erlösend wäre d
das neue Beginnen, wie belebend wäre
der erste Tag! Wie wen ein neues Werk
entsteht und die Hände zu arbeiten be=
ginnen. Einmal gab es noch die grosse
Freude am neuen Bilde der Natur ~
jetzt scheint sich die geheimnissvolle Kraft
zurück zu ziehen, will mir nicht entgegen=
treten. Sie vertragt die Siechen nicht.
Bald zurückkehren muss ich und die letzte
Arbeit beginnen und wen sie zu Ende dan
wird der Friede kommen. Zurück in das
harte Gefängniss zwischen Steinen die le=
bendig werden wollen. Und die Hände
müssen fleissig wirken da ihr Lenker
die Verbannung erreicht. Sie müssen
ihn selbst befreien, seine Ketten lösen.
Die Sonne wird nicht mehr scheinen nur
manchmal der Abend dämmern. Dan
soll sie kommen die finstere Nacht und
mich nicht mehr verstossen.
Winkelsdorf 30. VIII.1919 AH