Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Winkelsdorf, 8.9.1919
Es geht mir nicht so wie ich es gerne
möchte. Das Herz will sich nicht beru=
higen und die Schwindelanfälle sind m
manchmal heftiger als je. Vorgestern ha-
be ich an einer kleinen Bergtour theilge-
nommen und bin beim Abstieg zusammen-
gestürzt. Dafür tauge ich einfach nicht doch
ist es vom Standpunkt des Arztes erwünscht
und für das Herz förderlich. Heute ist w
wieder trübes Wetter und so geht es noch schlech-
ter. Dabei fürchte ich immer wieder die Fahrt
nach Wien die sicherlich wieder so schrecklich
sein wird wie hierher. Hoffmann ist schon hier
die Anderen fehlen noch. Heute kamen endlich
zwei Briefe von Dornbach (30. VIII) und (5. Septemb)
ich habe mich schon sehr gesehnt nach Nach
richten. Einige Tage war klares Wetter. Dieses
ist der vierte Brief, ob er wohl ankommen wird.
Vierzehn Tage sind vorbei noch längstens zehn.
Der Arzt spricht in Rätseln und will mich
scheinbar täuschen. Der letzte Rückschlag w
war sehr stark aber ich gebe nicht nach ~ ,
ich muss Alles vollbringen. Es soll sich nie=
mand meinetwegen beunruhigen, ich muss
noch eine Zeit die Kraft behalten. Lillith ist
fleissig und sicherlich wohlauf und freue ich
mich ihrer neuen Thätigkeit. Das von der
nichteröffnung der Schulen will ich noch nicht
glauben. Ich werde aber sicher den gan=
zen Winter arbeiten. Über meine Fahrt-
Erlebnisse werde ich mündlich berichten. Vie
len herzlichsten Dank für die Besorgung der Fo=
tografien. In freudiger Erwartung die herzlichs-
ten Grüsse. Bitte Handkuss zu bestellen an
Frau Mama. Grüsse an Schwesterchen.
I ꞏ u ꞏ h ꞏ G ꞏ u ꞏ K ꞏ
AH
Winkelsdorf
8. September 1919

bestimmt!!!