Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Winkelsdorf, Landhaus Primavesi, 14.9.1918
Heute werde ich auf der Reise sein, den
ganzen Tag bangen und hoffen, Dir entge=
gen sehen. Nicht trennen will ich mich m
mehr von Dir, zu Deinen Stufen das Leben a
ausklingen lassen. Ist nun der Herbst gekom=
men oder will ich nicht mehr streiten, ich
sehne mich nach Ruhe nur und kann sie n
nicht erwarten. Alles um mich ist verstummt
niemand will mich mehr fordern, die Kr
Krankheit allein hat ihr Recht behalten.
Du goldenes Antlitz sollst mir gnädig sein
sollst den Müden stärken, ihn neu bele=
ben. Verborgen hast Du Dich lange Wochen
wolltest nicht in mein Elend scheinen, versa=
get hast Du mir den Tag da ich wieder fr
frei werde. In Dein Reich gehe ich nun und
hoffe es zu finden, in Deine Arme strebe ich
und ersehne es dass Du sie öffnest. Mein He
Herz ist noch voll Wunden, will nicht die
Ruhe wahren, es kann nicht schlagen ohne
das Leben zu gefährden. Deine Strahlen s
sollen es bescheinen. Deine Wärme es heilen
in Deiner Nähe soll es zur Ruhe kommen. E
Einen Tag noch und eine Nacht, ein Traum
noch und dan die Wahrheit. Dahinrasen
soll mir die Zeit mich rasch dem Ziele nä=
her bringen, ergreifen soll mich das Feuer
und verzehren. Ein Schatten bin ich nun ge
worden ~ den nichts zu erfassen ver=
mag der umher schleicht, den lebenden
nachjagt. Und da die Sonne mir unterge-
gangen
lebe ich nicht mehr, bange nur
noch ob sie mich wiedererweckt.
AH
Winkelsdorf 14. September 1918
Landhaus Primavesi.
Für Montag den 16. September.