Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Winkelsdorf, Landhaus Primavesi, 3.9.1918
Die unsichtbare Macht ist rasend geworden i
ich habe nichts mehr zu lenken und gebieten
ich fühle dass ich nur das Werkzeug bin. Der
Gipfel der Eitelkeit ist überschritten ich s
selbst bin nicht mehr. Was mir jetzt befohlen
wird
ich kann nichts verantworten. Ihr h
habt mich ein Leben lang zur Unterthänig=
keit gezwungen ~ mich immer besiegt jetzt
fühle ich den Sturm der Rache ~ die nicht
aus meinem Herzen stammt. Die Unsichtbare,
die Unerbittliche
! Mein Auge sieht die Welt
anders ~ meine Hand fühlt keine Ergebenheit
mehr. Aus mir heraus strebt die Gewalt die
ich selbst beherrschen konnte ~ aus mir heraus
schlagen Flammen die bisher nur in mir b
brennen durften. Fliehet mich Ihr, die Ihr an m
mich glaubet ich bin es nicht der so hier r
rasend wird. Nicht in die Knie sinken werde
ich mehr können, alles zum Gebet erheben, nein,
ich fürchte mich nicht mehr und vollbringe o
ohne zu prüfen, mir ist nichts mehr heilig. Hei=
lig im Sinne der Unnahbarkeit. Durchdrin=
gen und nichts verschonen da Alles durch den
Sturm nur lebt
durch die Zerstörung auf
ersteht. Welch grausamme Erkenntniss hat mi
mich so überwältigt welch schreckliches En=
de steht mir bevor. So tobet ihr Stürme und
lässt mich nicht rasten, zerstört und zwingt
mich aufzurichten. In diesem wilden Getriebe
muss ich untergehen ~ höhret mich Ihr treu-
en Hüter und fliehet solange es noch Zeit ist ~.
Grausamm empfinde ich diesen jüngsten Beginn
schrecklich ahne ich die Zukunft. Versuchet ni
nicht mich zu retten ~ lasst mich den wahren
Todt suchen.
Winkelsdorf 3. September 1918
Landhaus Primavesi.
A~H~~