Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. o.O., 23.9.1916 - 27.9.1916
u. die Medizin machen, diese zu rechter
Zeit in richtigen Dosen einnehmen u. ver=
dauen kann u. auch sonst alles weiß
u. tut, was zur Behandlung gehört, wird
man gesund. Haben sie je in Not, d. h.
seelischer Not, von Anderen Hilfe er=
wartet u. erhalten? -
Daß Sie mich auf Ihrem Wege nach
aufwärts mitnehmen wollen, ent=
spricht ganz Ihrer gütigen, edlen
Freundschaft, die mir schon soviel Son=
nenschein u. Freude gebracht hat. Wie
glücklich wäre ich, mitzugehn! Aber
das Leben ist stärker als wir, u. ich
vermag nicht anderst zu denken, als
daß das Leben Sie auf die Höhen führt
u. mich hinunter. Soll ich Ihnen sagen,
was Tom hofft? Nichts weiter, als von
Ihnen noch einige Briefe zu erhalten,
bis Sie kommen u. ich Sie wieder=
sehe! - Wie soll ich darüber hinaus
schon jetzt Hoffnungen u. Wünsche
hegen, wo doch alle meine Hoffnun=
gen u. Wünsche nur darauf konzen=
triert sind? Und ich schon dieses als
ein Glück betrachte, ein unsicheres
Glück, das mein neidisches Geschick
mir gewiß nur ungern wird ge=
ben wollen! Hat nicht mein Geschick
mich seit dem 24. Juli vielleicht absicht=
lich so ungeheuer verwöhnt, um
dann mit der Enttäuschung mich umso
härter zu treffen? Dann, wenn
ich dieses Glück wirklich erlebe u.
aus Ihren Worten weitere Hoffnung