Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. o.O., 23.9.1916 - 27.9.1916
u. nun gar fällt dir ein solches Himmelsge=
schenk unerwartet, unverdient, in den Schoß,
wie das holde Wunder, u. du willst noch
immer nicht an dein Glück glauben, faselst
von Tücke des Geschicks, u. zweifelst wei=
ter u. zagst! Werde doch endlich gescheit!“-
Tom aber entgegnet: „Well roared, lion!
Aber so dumm bin ich denn doch nicht, daß ich
jetzt meine Dummheit, die mir immer
nur Glück gebracht, ablegen wollte; jetzt,
wo ich mehr als je Glück brauche! Jetzt
bleibe ich erst recht, wie ich immer war.
Selig sind die Armen im Geiste, denn
ihrer ist das Himmelreich.“-
„Ich an sich“, in der Logik schmählich geschlagen,
brummt ärgerlich (hat auch Shakespeare gele=
sen): „Ist's Dummheit, so ist's doch Methode!“
26. IX. In voller sincerity habe ich Ihnen im
Obigen geschildert, wie ich in meinem
Innersten über die Aussichten unse=
rer wundervollen Freundschaft
denke, was ich konkret hoffe. Nie
habe ich ein weites Ziel gehabt, nie
Pläne auf über 1-2 Monate hinaus ge=
macht, immer gewartet, was das
Schicksal bringt u. immer nur er=
wogen, was ich jetzt tun muß,
was die Folge davon sein kann u.
was ich in dem oder jenem Falle
dann tun werde. Auch beim Schachspiel
habe ich nie mehr als 2-3 Züge in
voraus durchgedacht u. mich seiner=
zeit gewundert, daß ich damit aus=
komme u. soviel Erfolg hatte.