male mußte ich diesem unleidlichen
Paradoxenjäger O. Wilde zustimmen,
daß der Schein wichtiger, wertvol=
ler, etwas Höheres sei als die Wahr=
heit.
Die Göttin wanderte in den Kasten
zum Konversationslexikon, die
Wunderblume prangt, liebevoll
gepflegt u. behütet auf dem Schreib=
tisch. Und siehe da, sie verdorrt gar
nicht. Daran hatte ich anfangs gar nicht
zu hoffen gewagt! Es kamen liebe
blaue Blätter; auf einmal lagen sie
da auf dem Schreitisch u. erzählten
mir von ihrem Leben u. Denken.
Und eines Tages war das Wunder
leibhaftig wieder da; holder als ich es mir
je gedacht, strahlte es neuen Zauber
aus. Aus dem Schein wurde immer
mehr Wahrheit, ohne an Reiz zu ver=
lieren, ganz im Gegenteil! Eine son=
nige, liebe, sympathische Wahrheit, auf
die ich auch vor der Göttin stolz bin.
Für mich bleibt sie das holde Wunder!
Hatte ich recht, Ihnen gegenüber ein belie=
ver, hero-worshipper zu sein, statt kritisch,
skeptisch nach der Wahrheit zu suchen?
Die hätte ich doch nicht gefunden, das holde
Wunder aber gewiß verloren.
Wenn es gilt, sich den Lebensgefährten zu
wählen, dann sollte man, kann nicht ge=
nau genug prüfen; aber wie selten geschieht
dies, obwohl in solchem Falle Wahrheit über alles
gilt! Ich aber glaubte es nur mit einer flüchtigen
Erscheinung zu tun zu haben. In seliger Erinnerung
nur wollte ich mein Glück so lang als möglich fest halten, in
ihm aufgehen. Dazu brauchte ich die Wahrheit nicht. -
20.IX.
Paradoxenjäger O. Wilde zustimmen,
daß der Schein wichtiger, wertvol=
ler, etwas Höheres sei als die Wahr=
heit.
Die Göttin wanderte in den Kasten
zum Konversationslexikon, die
Wunderblume prangt, liebevoll
gepflegt u. behütet auf dem Schreib=
tisch. Und siehe da, sie verdorrt gar
nicht. Daran hatte ich anfangs gar nicht
zu hoffen gewagt! Es kamen liebe
blaue Blätter; auf einmal lagen sie
da auf dem Schreitisch u. erzählten
mir von ihrem Leben u. Denken.
Und eines Tages war das Wunder
leibhaftig wieder da; holder als ich es mir
je gedacht, strahlte es neuen Zauber
aus. Aus dem Schein wurde immer
mehr Wahrheit, ohne an Reiz zu ver=
lieren, ganz im Gegenteil! Eine son=
nige, liebe, sympathische Wahrheit, auf
die ich auch vor der Göttin stolz bin.
Für mich bleibt sie das holde Wunder!
Hatte ich recht, Ihnen gegenüber ein belie=
ver, hero-worshipper zu sein, statt kritisch,
skeptisch nach der Wahrheit zu suchen?
Die hätte ich doch nicht gefunden, das holde
Wunder aber gewiß verloren.
Wenn es gilt, sich den Lebensgefährten zu
wählen, dann sollte man, kann nicht ge=
nau genug prüfen; aber wie selten geschieht
dies, obwohl in solchem Falle Wahrheit über alles
gilt! Ich aber glaubte es nur mit einer flüchtigen
Erscheinung zu tun zu haben. In seliger Erinnerung
nur wollte ich mein Glück so lang als möglich fest halten, in
ihm aufgehen. Dazu brauchte ich die Wahrheit nicht. -
20.IX.