Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. Pola, 19.12.1916 - 23.12.1916
Welcher Hochgenuß, welch reine Freude,
nach der unendlich langen Abhandlung über
ein Buch nun wieder zu Ihnen, liebe Freun=
din, sprechen zu können! Wenn dieses dicke
Buch aus lauter Briefen von Ihnen bestün=
de! Mit wie ganz anderem Interesse,
mit ganz anderer Freude u. Liebe ich
es lesen, verschlingen würde!
Meine Bitte, die Temperatur meiner
Schreibweise zu regulieren, haben Sie,
wie ich es erwartet hatte, abgelehnt.
Was Sie mir darüber schreiben, ist aber
so gütig u. lieb, daß das Gefühl eines
abgewiesenen Bittstellers in mir gar
nicht aufkommen will, sondern daß ich
Ihnen dafür nur innig u. freudig danke.
Wieder waren Sie viel klüger als ich,
worüber ich mich jedesmal aufrichtig freue.
Jetzt sehe ich erst ein, in welche unange=
nehme Verlegenheit ich geraten wäre,
wenn Sie mir z. B. 4° Temperaturerniedri=
gung geboten hätten. Ich müßte dann schon
ziemlich viel zurückhaltender schreiben
u. wäre dabei erst recht nie sicher es
Ihnen recht zu machen. Sie sind wirklich
zu gütig. Warum benützen Sie nicht die
Gelegenheit, mich gründlich zu blamieren?
Wahrheit im Ausdruck sprechen Sie als
Ihren Wunsch aus u. ich lasse es mir nicht