Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. Pola, 10.1.1917 - 14.1.1917
Ihr langes Schweigen mich quält, sondern
nur Sorge, Sorge um Sie, geliebte Freun=
din! Ihre bange Sorge, die Unruhe über
Ihren inneren Streit, der mich so nahe be=
rührt, die Unsicherheit - ach, Sie wissen ja
so alles! Mit einem Federstrich werden
Sie wieder, wie schon so oft, alles Bangen
in Glück u. Jubel verwandeln. Ich hoffe,
bald. - Ach, Lieb' u. Leid!
13.I. Wie oft habe ich Ihnen schon den Jubel geschil=
dert, den ein neuer Brief in meinem Herzen
erregt? Immer scheint es mir eine neue
Art von Jubel, anders als je vorher. Auch
diesmal ist es wieder ganz, ganz anders,
u. gerne möchte ich wieder einige Seiten
davon vollschreiben, was mich jetzt so be=
sonders beglückt u. warum ich Sie wieder
noch inniger, tiefer lieben muß als bis=
her. Tausend Dank für den lieben, wun=
dertätigen Federstrich!
Aber das muß ich Ihnen doch sagen, daß
dieser Brief von Anfang bis zum Schluß
Sie in so wunderbarer Übereinstimmung
mit meinem Denken u. Fühlen zeigt, wie
kaum ein anderer, u. daß das mich so be=
sonders glücklich macht.
Sogar was Sie, als Beichte, von meiner
einseitigen geistigen Verkümmerung schreiben,
habe ich mir selbst gedacht, gerade als ich