Hegenbart, Fritz: Brief an Arthur Roessler. München, 26.1.1923
München, 26. Januar
1923.
Lieber alter Freund,
Es ist sicher kein Zufall daß Ihnen zu Mute
war als würde ich wieder an der Grafik
Freude bekommen. Der Gedanke diese
wieder aufzunehmen ist schon sehr oft in
mir aufgetaucht aber mit einem instink=
tivem Gefühl innerlich noch nicht fertig
zu sein habe ich mich allem Verlockungen ge=
genüber ablehnend verhalten. In den
letzten zwei Jahren habe ich mich über die
Zeichnung wieder in diese Technik hinein=
entwickelt ohne wie früher von ihr ab=
hängig zu sein. Man muß können was man
künstlerisch will.
Aber darüber können wir uns mündlich unter=
halten und so will ich heute nur jene Punkte
Ihres Briefes erwähnen d. h. jene Fragen be=
antworten die vielleicht für Ihre Besprechung
mit Ihrem Verleger notwendig sind um
Ihre Reise zu fundiren.
Was die Salzburger Platten betrifft bin ich
grundsätzlich einverstanden daß Ihr Verlag
sie übernimmt. Prof. Götz in Leipzig hat
zwar daran gedacht, da Bruckmann sich
sehr schofel gezeigt hat, sie in Berlin verlegen
zu lassen. Bruckmann hat allerdings
nachdem ich auf sein Anerbieten nicht ein=
gegangen bin hinterher mich gebeten der
Firma die fertigen Platten als erste anzu=
bieten bevor ich weitere Schritte thue.
Das würde aber wie ich schon voraus sehe der
richtige Kuhandel wie immer bei dieser
Firma werden.
Zuerst müssen einmal aber die Platten fertig
sein. Sie liegen in Leipzig wohin ich noch
einmal fahren werde um sie zu vollenden
denn diesmal hatte ich nicht so viel Zeit, da
ich und Götz noch anderes zu thun hatten und
eine Reise nach Dessau das wichtigere war.
Eine mündliche Besprechung mit Ihnen wird ja
diese Frage auch so weit klären und es
würde mich sehr freuen wenn der größte
Theil meines künftigen grafischen Werkes