MAX HAYEK
Wien, XVIII/1
Sternwartestraße Nr. 41
30. Juni 1919
Lieber und hochverehrter Herr Ginzkey!
Allerherzlichsten Dank für Ihre
letzten Zeilen!
Der besagte Herr (den ich nie gesehen
habe, der mich nie gesehen hat) diente als Korporal
bei meinem Regimente. Er war körperlich
ungeeignet und blieb deshalb Schreiber. Er
schrieb als solcher auch ein Gedicht für ein
Gedenkbuch des Regts 49, das ich als die Arbeit
eines Dilettanten bezeichnete. (Das Gedicht
wurde gedruckt und wenn es nicht Zeitverlust
wäre, würde ich es Ihnen sogar zeigen können:
das Gedicht eines Dilettanten, fürchterlich, mehr
sag' ich nicht). Mein Urteil kam dem Recken
zu Ohren und er ergrimmte mächtig. Seither
Todfeindschaft. Aber das ist weniger interessant:
der Kerl hat sich später an mich herange-
macht als ich ein grosses Rgtsgeschichtswerk
mitredigieren sollte, und sandte mir die
Schilderung eines Gefechtes, gezeichnet: Michel
Wien, XVIII/1
Sternwartestraße Nr. 41
30. Juni 1919
Lieber und hochverehrter Herr Ginzkey!
Allerherzlichsten Dank für Ihre
letzten Zeilen!
Der besagte Herr (den ich nie gesehen
habe, der mich nie gesehen hat) diente als Korporal
bei meinem Regimente. Er war körperlich
ungeeignet und blieb deshalb Schreiber. Er
schrieb als solcher auch ein Gedicht für ein
Gedenkbuch des Regts 49, das ich als die Arbeit
eines Dilettanten bezeichnete. (Das Gedicht
wurde gedruckt und wenn es nicht Zeitverlust
wäre, würde ich es Ihnen sogar zeigen können:
das Gedicht eines Dilettanten, fürchterlich, mehr
sag' ich nicht). Mein Urteil kam dem Recken
zu Ohren und er ergrimmte mächtig. Seither
Todfeindschaft. Aber das ist weniger interessant:
der Kerl hat sich später an mich herange-
macht als ich ein grosses Rgtsgeschichtswerk
mitredigieren sollte, und sandte mir die
Schilderung eines Gefechtes, gezeichnet: Michel