Hawel, Rudolf: Brief an Moritz Necker. Wien, 1.6.1914
Rudolf Hawel
Wien
XVIII/1, Gentzgasse 55
Wien, 1. Juni 1914
Sehr verehrter Herr!
Also am Samstag, 6. Juni wird im Colosseum
mein neues Volksstück „Der reiche Ahnl" aufge=
führt. Es ist eigentlich eine satirische Charakter=
komödie mit tief ernstem Untergrund und
darum schon an sich ein über die Masse der
heutigen „Volksstücke" sich erhebendes Werk.
Verzeihen Sie mir diese Zärtlichkeit für das
eigene Kind!
Ich bitte Sie nun recht herzlich, sich für das
Stück recht kräftig einzusetzen und auch bei
Ihren Herrn Kollegen dafür ein gutes Wort
zu sprechen. Der materielle Erfolg, den das
Stück am Exltheater haben wird, wird mir
nicht aufhelfen. Anders stehts mit dem litterarischen,
dem moralischen Erfolge:
Mit Ende dieses Schuljahres gehe ich in Pension; ich
habe 35 Dienstjahre. Mit 35 Dienstjahren können
bei uns wohl die Schuldiener mit vollem Gehalt
in Pension gehen, nicht aber die Lehrer. Diese müssen
volle 40 Dienstjahre haben. Bei Bemessung meiner