Rudolf Hawel
Wien
XVIII/1, Gentzgasse 55
Wien, 3. Jänner 1915
Lieber Freund!
Als ich heute Deinen sonst sehr lieben Brief las, verspürte
ich selbst einige unsanfte Regungen in der Gallenblase
und ich glaube, mein Antlitz hat auch eine gelbliche Färbung
angenommen.
Was lang dauert, wirkt niemals erheiternd! Vielleicht
ists Dir doch möglich in absehbarer Zeit gesund zu werden
und dann endlich einmal in die Anzengrube zu
kommen! Mayer fragt jedes mal nach Dir und
auch die anderen!
Da ich kein Kaffeehausbesucher bin, habe ich we=
der den „Merker" noch das „Literarische Echo" ge=
lesen und diese Zeitschriften zu abonnieren, man=
geln mir die Gelder. Es genügt mir aber zu wissen,
daß Du die betreffenden Aufsätze geschrieben hast,
denn dann ist Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit ihnen zu
eigen. Dienstag gegen 1/2 4 werde ich Dich aufsu=
chen; Du hast ja die Hefte zu Hause und so kann ich
Wien
XVIII/1, Gentzgasse 55
Wien, 3. Jänner 1915
Lieber Freund!
Als ich heute Deinen sonst sehr lieben Brief las, verspürte
ich selbst einige unsanfte Regungen in der Gallenblase
und ich glaube, mein Antlitz hat auch eine gelbliche Färbung
angenommen.
Was lang dauert, wirkt niemals erheiternd! Vielleicht
ists Dir doch möglich in absehbarer Zeit gesund zu werden
und dann endlich einmal in die Anzengrube zu
kommen! Mayer fragt jedes mal nach Dir und
auch die anderen!
Da ich kein Kaffeehausbesucher bin, habe ich we=
der den „Merker" noch das „Literarische Echo" ge=
lesen und diese Zeitschriften zu abonnieren, man=
geln mir die Gelder. Es genügt mir aber zu wissen,
daß Du die betreffenden Aufsätze geschrieben hast,
denn dann ist Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit ihnen zu
eigen. Dienstag gegen 1/2 4 werde ich Dich aufsu=
chen; Du hast ja die Hefte zu Hause und so kann ich