Hesse, Otto Ernst: Brief an die Feuilletonredaktion der Frankfurter Zeitung. Berlin, 27.2.1929
den 28. Februar 1929
EGW/Dt
Herrn
Dr.Otto Ernst Hesse,
Berlin
Sehr geehrter Herr Doktor,
gerade unsere von Ihnen anerkannte Loyalität
macht es uns schwer, Ihre Zeilen zu veröffent
lichen, da sie einen ,wie uns scheinen will,
nicht sehr gemässigten Angriff gegen einen
Autor, den wir hochschätzen, beinhalten.
Wir dürfen Sie vielleicht bitten, Ihre Auf-
fassung von unserer Publikation zu ändern und
zwar in folgenden Punkten:wir haben nicht von
einem Plagiat gesprochen, sondern ausdrück-
lich gesagt, dass sich der Sachverhalt so
darzustellen scheine( nämlich gemäss der Fak
kel Nr. 800), dass Ihnen das Gedicht bekannt
war - vielleicht unbewusst - und aus Anlass
einer Veröffentlichung zu einem Bilde neu
geschaffen wurde. Ferner scheinen Sie die
"Fackel", welche das erste Mal die Gedichte
publizierte, in der Tat nicht zu kennen ,da
wir nicht annehmen können, es sei Ihnen der
darin gemachte Vorbehalt entgangen.Uns wenig-
stens war es keinen Augenblick nach deren Lek
türe zweifelhaft, dass der Autor der Gedichte
nicht bekannt sei und es sich fraglich zeige,
ob der Schlosser sie verfasst habe.Am Schluss
würden wir wünschen, die Art, in der Sie von
unserer Redaktion sprechen,gemildert zu sehen
zumal da sich bei genauer Überprüfung aller
unterlagen ergibt, dass unsererseits kein An-
griff gegen sie vorliegt, sondern lediglich
der Sachverhalt nach den Angaben der "Fackel"
und unter dieser ausdrücklichen Bemerkung
publiziert wurde.
In vorzüglicher Hochachtung